Am 12. Juli 2026 waren wir zu viert bei einem Seminar, das man so schnell nicht wieder bekommt: drei Stunden Luta Livre mit Daniel D'Dane in den Räumen von Prime Sports in Speyer.
Wer in Deutschland Luta Livre trainiert, kommt an diesem Namen nicht vorbei.
Daniel D'Dane brachte den Stil Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland – und zwar nicht als Marke oder fertiges Verkaufssystem, sondern roh, funktional, geprägt von No-Gi, Druck und der Haltung: Was nicht funktioniert, wird angepasst oder verworfen. Er ist zudem Präsident der Federação de Luta Livre Submission und gilt in der Szene längst als Grão Mestre.
Ein Großteil dessen, was hierzulande als deutsche Luta-Livre-Linie existiert, geht direkt oder über seine Schüler auf ihn zurück. Mit jemandem auf der Matte zu stehen, der diese Wurzel selbst gelegt hat, ist entsprechend etwas anderes als ein gewöhnliches Gasttraining.
Und dabei wurde eines klar herausgearbeitet: Luta Livre der alten Schule ist kein Brazilian Jiu-Jitsu. Auch wenn beide heute im No-Gi-Grappling landen und sich in der Praxis oft begegnen, sind es zwei verschiedene Herkunftslinien. BJJ stammt aus dem japanischen Jiu-Jitsu und Judo. Luta Livre dagegen hat ihre Wurzeln im Catch Wrestling – im Ringen, im „catch as catch can". Das ist kein akademisches Detail, sondern spürbar in jeder Bewegung: die Art, wie kontrolliert, gedrückt und fixiert wird, das Denken in Ringer-Kategorien statt in Griffen am Stoff. Wo das Gi fehlt, muss die Mechanik tragen – und genau dort zeigt sich die Ringer-DNA dieses Stils.
Inhaltlich ging es an diesem Nachmittag nicht um spektakuläre Sonderlocken, sondern um die Basics, sauber und im Detail aufgearbeitet. Genau das ist der Wert eines solchen Seminars: Bewegungen, die man zu kennen glaubt, werden auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt – ein verschobener Winkel, ein früherer Zeitpunkt, ein Detail im Druckaufbau, das über Funktioniert oder Funktioniert-nicht entscheidet. Wir haben Vertrautes neu verstanden und dazu eine ganze Reihe neuer Details und Ideen mitgenommen, an denen wir in den nächsten Wochen im Training weiterarbeiten werden.
Und dann, wie immer, das Ritual danach: McDonald's, kalte Softdrinks und Burger, bevor es zurück nach Hause ging. Drei Stunden Grappling machen hungrig, und irgendwie gehört dieser Stopp inzwischen genauso zum Seminartag wie das Rollen selbst – die halbe Stunde, in der man das Gelernte durchkaut, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Danke an Daniel D'Dane für den intensiven Nachmittag und an Prime Sports Speyer für die Matten. Wer neugierig auf echtes Luta Livre geworden ist – auf den Stil mit Ringer-Wurzeln, nicht auf die BJJ-Variante davon: Schaut bei uns im Training vorbei. Gelernt wird das, wo es hingehört – auf der Matte.
